Hintergrundinformationen
Mehr Männer in Kitas, aber...
Seit Jahren lässt sich beobachten, dass die absolute Zahl der in Kitas beschäftigten Männer kontinuierlich steigt. Genaue Angaben hängen jedoch davon ab, welche Quelle verwendet wird und wer statistisch als „männlicher Beschäftigter“ erfasst wird.
Entwicklung in Deutschland insgesamt und in den Bundesländern
In Deutschland waren im Jahr 2011 insgesamt 14.575 männliche Fachkräfte, Praktikanten, Zivildienstleistende, FSJler und ABM-Kräfte im pädagogischen Bereich von Kindertageseinrichtungen (reine Schulhorte ausgenommen) beschäftigt. Dies entspricht einem relativen Männeranteil von 3,5%. 2011stieg damit der Männeranteil um 0,2% im Vergleich zum Vorjahr. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Im Jahr 2011 arbeiteten circa 1.300 Männer mehr in Kitas als im Vorjahr.
Der Anteil männlicher Fachkräfte ohne Praktikanten, Zivildienstleistende, FSJler und ABM-Kräfte lag in Deutschland im Jahr 2011 allerdings nur bei 2,9%, das waren 11.288 männliche Fachkräfte und damit 0,3% bzw.1.309 mehr als im Vorjahr.
Auffällig ist, dass der Männeranteil zwischen den einzelnen Bundesländern stark variiert. Hamburg führte auch im Jahr 2011 die Liste der Bundesländer mit dem höchsten Männeranteil in Kitas an. Seit Jahren steigt dort der Anteil pädagogisch arbeitender Männer in Kitas kontinuierlich. Er liegt mittlerweile bei 9,5% (zzgl. Praktikanten etc.), bzw. bei 8,6% (nur Fachkräfte). In Bremen, dem Bundesland mit dem zweithöchsten Männeranteil, ist der Anteil pädagogisch arbeitender Männer in Kitas dagegen rückläufig. Hier sank der Männeranteil in den Jahren 2009 bis 2011 von 9,9% auf 8,2% (zzgl. Praktikanten, etc.). Der Anteil männlicher Fachkräfte in Bremen unterliegt in den letzten Jahren allerdings Schwankungen. 2011 lag der Anteil männlicher Fachkräfte in Bremen bei 6,3% und betrug damit 1,0% mehr als im Vorjahr bzw. 0,1% mehr als im Jahr 2009.
Bundesländer | Hier kommen Sie zu einer interaktiven Karte mit Angaben zum Anteil pädagogisch arbeitender Männer (Fachkräfte, zzgl. Praktikanten, etc.) in den Bundesländern
mehr | Einschätzung der Entwicklung des Männeranteils im Bundesländer-Vergleich
Entwicklung | Wir haben für Sie die Entwicklung der Männeranteile in Kitas in Deutschland in den Jahren von 2007 bis 2011 in Tabellen zusammengefasst
Entwicklungen in den Stadt- und Landkreisen
Wie sieht nun die Entwicklung des Männeranteils auf regionaler Ebene aus? Auffällig ist, dass sich der positive Trend in Stadtkreisen mit hohem Männeranteil auch 2011 fortsetzt. Nahezu alle Stadtkreise, die in den letzten Jahren einen hohen Anteil pädagogisch arbeitender Männer in Kitas aufwiesen, konnten im Jahr 2011 ihren Männeranteil weiter steigern. Spitzenreiter unter den Stadtkreisen mit hohem Männeranteil (männliche Fachkräfte zzgl. Praktikanten, FSJler, etc.) sind weiterhin Flensburg (11,9%), Kiel (11,9%) und Frankfurt (10,7%), dicht gefolgt von Hamburg (9,5%), Kassel (9,4%) und Bremen (8,24% ohne Bremerhaven). In Hessen finden sich, mit Darmstadt (7,0%) und Offenbach (6,9%), noch zwei weitere Stadtkreise, mit bemerkenswert hohem Anteil männlicher Beschäftigter in Kitas.
mehr | Hier kommen Sie zu einer interaktiven Karte mit Angaben zum Anteil pädagogisch arbeitender Männer (Fachkräfte, zzgl. Praktikanten, etc.) in den Regionen und Entwicklungstendenzen
mehr | Einschätzung der Entwicklung des Männeranteils im Städte bzw. Landkreis-Vergleich
Datenquelle – Zusammensetzung der Zahlen
Um differenzierte Angaben über die Entwicklung des Männeranteils in Deutschland insgesamt und auf Stadt- bzw. Landkreisebene machen zu können, werten wir regelmäßig den Datensatz des Forschungsdatenzentrums der Länder aus. In den Daten des Forschungsdatenzentrums der Länder werden Fachkräfte, Praktikanten, Zivildienstleistende (bis 2011), FSJler und ABM-Kräfte im Elementarbereich statistisch erfasst, nicht jedoch das Verwaltungspersonal sowie Beschäftigte in Einrichtungen nur für Schulkinder. Für unsere Arbeit eignet sich dieser Datensatz (im Gegensatz zu den Daten des Bundesamtes für Statistik) deshalb, weil im Fokus unserer Arbeit als Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ männliche pädagogische Fachkräfte stehen, die in Kindertagesstätten mit Kindern im Alter von null bis sechs Jahren arbeiten. Der für uns relevante Datensatz beinhaltet keine Verwaltungsmitarbeiter und auch keine männlichen Beschäftigten, die ausschließlich Schulkinder im Alter von fünf bis vierzehn Jahren in Horten betreuen. Die genaue Anzahl von Männern, die ausschließlich mit Vorschulkindern arbeitet, lässt sich allerdings nicht ermitteln, da bestimmte altersübergreifende und –gemischte Einrichtungen Vorschul- und Schulkinder betreuen und im Einzelnen nicht nachzuvollziehen ist, mit welchen Kindern aus welchen Altersgruppen die Männer in solchen Einrichtungen arbeiten. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass männliche Fachkräfte, die in altersübergreifenden und altersgemischten Kitas in erster Linie für die Schulkinder zuständig sind, häufig auch mit den jüngeren Kindern arbeiten.
Hinweis
Wir möchten Sie an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass auch das Bundesamt für Statistik den Männeranteil in Kitas erfasst und veröffentlicht. Allerdings lassen sich diese Daten nicht, bzw. nur bedingt, mit unseren Angaben vergleichen! Für 2011 beispielsweise veröffentlichte das Bundesamt für Statistik einen Männeranteil von 3,9 Prozent (in absoluten Zahlen: 17.352), weil hier noch Verwaltungsmitarbeiter und männliche Beschäftigte in Einrichtungen nur für Schulkinder einberechnet sind.
Bitte beachten Sie, dass sich die Zahlen des Bundesamtes für Statistik nicht mit unseren Zahlen für die Stadt- und Landkreise vergleichen lassen. Wenn Sie beispielsweise vergleichen möchten, wie sich Ihr Stadt- bzw. Landkreis im Vergleich mit dem jeweiligen Bundesland bzw. mit Deutschland insgesamt entwickelt, müssen Sie ein und dieselbe Datenquelle verwenden. Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht keine Zahlen auf Stadt- und Landkreisebene.
Ein Rückgang des Männeranteils ist möglich
Die kontinuierliche Zunahme männlicher Beschäftigter in Kindertagesstätten ist erfreulich. Fraglich erscheint jedoch, ob auch in den nächsten Jahren die Statistiken einen Zuwachs männlicher Beschäftigter aufweisen werden.
Strukturelle Veränderungen im Kitabereich
Strukturelle Veränderungen im Kitabereich und eine veränderte Personaldatenerfassung im Hortbereich können sich perspektivisch negativ auf den Anteil pädagogisch arbeitender Männer in der Kita-Statistik auswirken. Hierbei muss jedoch unterschieden werden zwischen einer realen Abnahme männlicher Beschäftigter, einer nur prozentualen Verringerung des Männeranteils und rein statistischen Effekten. Im Einzelnen:
- Die Abschaffung des Zivildienstes seit dem Sommer 2011 wird die Anzahl pädagogisch arbeitender Männer in Kitas, wenn zwar auch nur gering, aber doch verringern.
- In den nächsten Jahren wird vor allem ein massiver Ausbau der Betreuungskapazitäten für Kinder unter drei Jahren stattfinden, einem Bereich, in dem Männer mit ca. 1% noch seltener vertreten sind als in der Arbeit mit Kindern über drei Jahren. Dies könnte dazu führen, dass zusätzliche Stellen, die in den kommenden Jahren geschaffen werden, überwiegend von Frauen besetzt werden.
- Der zunehmende Ausbau von Ganztagsschulen wird in den nächsten Jahren dazu führen, dass das Hortangebot verringert wird bzw. die Betreuung von Schulkindern gar nicht mehr in Kindertageseinrichtungen stattfindet. Diese Veränderung wirkt sich möglicherweise aber nur auf die Statistik aus, nämlich dann, wenn die (ehemaligen) Horterzieher in der Ganztagsschulbetreuung eine Anstellung finden. Sie würden in diesem Fall aus der Statistik der "Kinder und tätigen Personen in Tageseinrichtungen" herausfallen, arbeiten aber weiterhin mit Grundschulkindern.
- Eine weitere Veränderung betrifft die Erfassung der Personaldaten im Hortbereich. In Berlin und Nordrhein-Westfalen wurde der Hortbereich vollständig aus den Kindertagesstätten ausgegliedert und an die Schulen verlagert. Dies hat zur Konsequenz, dass auch in diesem Fall das Hortpersonal zwar weiterhin mit den Grundschulkindern arbeitet, jedoch nicht mehr in der Statistik der "Kinder und tätigen Personen in Tageseinrichtungen“ erfasst wird. Auch in anderen Bundesländern ist die Verlagerung des Hortbereichs an die Schulen beabsichtigt.
Fazit
Angesichts dieser Entwicklungen erscheinen Maßnahmen zur Erhöhung des Männeranteils in Kitas dringender denn je. Der Erfolg dieser Maßnahmen sollte jedoch nicht ausschließlich daran gemessen werden, ob in den kommenden Jahren der Prozentsatz männlicher Fachkräfte in der Kita-Statistik steigt.
Ebenso wichtig, wie eine kurzfristig (möglicherweise nicht zu erreichende) Steigerung des Männeranteils in Kitas sind bessere Arbeitsbedingungen, die Steigerung der Qualität der Ausbildung von Erzieher/innen und der Bildungsarbeit im Elementarbereich, die Verankerung einer geschlechterbewussten Pädagogik und die Reflektion des Themas „Gender“ im Erzieher/innen-Team sowie die langfristige Bindung von Erziehern an das Arbeitsfeld der Kindertagesstätte.
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Literatur
Deutsch- und englischsprachige Veröffentlichungen zum Thema Männer in der Elementarpädagogik.
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